Kritiken und Presseberichte:"Übergerascht"

 

 

6. März 2010 | Von Frank Speckhard  Darmstädter Echo 
Flirtschule in Schwyzerdütsch 
Kabarett: Detlev Schönauer begeistert mit satirischen Weltbetrachtungen in vielen  Dialekten und der Musik zu den 
Texten GROSS-BIEBERAU. 
Detlev Schönauer gastierte am Sonntag mit seinem aktuellen Kabarettprogramm im Bürgerzentrum von Groß-Bieberau.
Foto: Karl-Heinz Bärtl 
Zu einem gemütlichen Plausch lädt der Kabarettist  Detlev Schönauer am Sonntagabend in Groß-Bieberau  ein.
Nonchalant parlierend  lässt der  im saarländischen Riegelsberg  wohnhafte Künstler  dabei das  Auditorium im
vollbesetzten Bürgerzentrum an seinen satirischen Weltbetrachtungen teilhaben,  und spielend leicht ist hinter
den zahlreichen deutschen Dialekten, die er beherrscht, ein Kosmopolit zu erkennen. 

Viele Lacher erntet Schönauer beispielsweise,  wenn er den Gästen die saarländische Begrüßung nahe  bringt:
Sie besteht in dem  lakonischen ,,unn".  Doch  nicht  nur  die  sprachlichen  Eigentümlichkeiten  der  Deutschen
nimmt er unter die Lupe. Der Künstler wagt sich zuweilen auf das glatte Parkett der Politik.  Dabei rutscht er nie
aus, sondern bleibt immer der bodenständige,  menschenfreundliche Beobachter.  Die  gegenwärtige schwarz-
gelbe  Bundesregierung   bezeichnet  er  dabei   spöttelnd  als ,,Tigerentenkoalition".  Auch  aus dem  mit vielen
Widrigkeiten behafteten Verhältnis zwischen den Geschlechtern saugt Schönauer komödiantischen Nektar.
Während  die Frau  gleichzeitig  denke und schwätze,  habe der Mann ein gestörtes Verhältnis  zur Hygiene,  so
seine  Behauptung.  Sehr  komisch  geraten  schließlich  auch  die  Innenansichten einer schweizerischen Flirt-
schule. In bestem Schwyzerdütsch lässt sich  Detlev Schönauer zu dem  Kalauer ,,Du  machst  meine  Software
zur Hardware" hinreißen. Das Publikum biegt sich vor Lachen. 

Eher   amüsiertes   Staunen   ernten   in  dem  neunzehnten  Schönauer  Programm  ,,Übergerascht - neues  aus
Jacques' Bistro"  die  musikalischen  Intermezzi  des  künstlerischen Tausendsassas.  Besonders die Parodien
bekannter Musiker  treffen  ins  Schwarze.  Als  Konstantin  Wecker  überzeugt  er  restlos.  Denn es gelingt ihm
spielend, Weckers gepresste und manierierte  gesangliche  Vortragsweise nachzuahmen  und  schwitzend  ein
,,transpiratives Lied" auf die Bühne zu  zaubern.  Diese  Darstellung  gipfelt  in  der  Textzeile  ,,Gestern haben's
s'Häschen derschlogn."  Der seit über 30 Jahren  tätige Schönauer  nimmt die Anwesenden schließlich mit dem
Lied ,,Wie haben wir das nur geschafft" mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die noch nicht geprägt war von
Kuschelpädagogik   und   kommunikativer   Umweltverschmutzung  durch  Mobiltelefone -  wobei  der  Künstler
keine rückwärtsgerichtete heile Welt beschwört, sondern lediglich Auswüchse der Gegenwart kritisiert.   

Eher  zu  den  traditionellen  zivilisatorischen  Leistungen  der   Menschheit   gehört  die  Welt  der  Oper,  zu  der
Schönauer einen Ausflug wagt. In einem ironischen Parforceritt  verweigert sich der mit leichtem französischen
Akzent plaudernde ,,Jacques " Schönauer  hehrem  Bildungsanspruch.  Augenzwinkernd bringt er eine Opern-
aufführung auf die  griffige Formel  ,,Die sind dick und schreien  sich an".  Auch dass die Operndarsteller in den
Aufführungen so lange sterben,  ist dem Kabarettisten einige süffisante Bemerkungen wert.  Insgesamt erleben
die Besucher über  zwei  Stunden  gelungene  Darbietung.  Sie honorieren die charmante Art  des auch aus der
SWR-Fernsehsendung ,,Spass aus Mainz" bekannten Künstlers mit viel Applaus. 

Als Zugabe vertont er im Sketch ,,Interpunktion" lautmalerisch die Satzzeichen eines Textes in einem Werk von
William Shakespeare.           
 

 

Schwetzinger Zeitung

 

Tolle Tresen-Thesen        

05.09.2009 - WIESBADEN 
Von Anja Baumgart-Pietsch 

KABARETT Detlev "Jacques"  Schönauer  im Lilien-Carrée  "Gut - guter - saugut".  So lautet  der  saarländische
Komparativ. Erklärt von Detlev Schönauer alias "Jacques" im Lilien-Carrée,  der zweiten Kabarettveranstaltung
in   diesem  Ambiente,  das   für  solche  Veranstaltungen  eigentlich  gut  geeignet  ist.  Organisiert  von  Kathrin
Schwedler,   die  die   Gäste  gemeinsam  mit  Centermanager  Norbert  Beninde  begrüßte,   war  Schönauer  ins
Einkaufszentrum gekommen, um als fast echter  Franzose und  Bistro-Inhaber  mit  Baskenmütze  allen  Gästen
ihr - zumindest sprachliches - Spiegelbild vorzuhalten. 

Seine Stärke sind die unterschiedlichsten  Dialekte,  von  Sächsisch  bis  Schwyzerdütsch,  von  Saarländisch -
keineswegs zu verwechseln mit Pälzisch - bis zum französischen Akzent,  der den Abend in  "Jacques´ Bistro"
als thematische Klammer zusammenhält. Jacques ist immer wieder völlig "übergerascht", so auch der Titel des
Abends, worüber sich seine Gäste und Freunde so unterhalten, aufregen und amüsieren.  Und er hat sich auch
einiges "übergelegt",  plauscht und schwätzt,  was  das Zeug hält.  Seine sympathische Bühnenpräsenz tröstet
auch über einige geklaute Gags hinweg, so zum Beispiel die "Textaufgabe im Wandel der Zeiten". 

Aber Detlev Schönauer  hat auch  genügend Eigenes im Programm,  setzt sich zum Beispiel flugs ans  E-Piano,
um diverse Anrufbeantworter-Lieder  zu spielen,  imitiert  Konstantin Wecker mit einer gequält  transpirierenden
Version  von  "Häschen  in  der  Grube"   ("Gestern   ham ´se das  Häschen  derschlagn")   erzählt   von   Opern-
besuchen,Tresen-Thesen, der Frau als solcher und dem  italienischen  Leichenschmaus  ("Streuselkuchen  mit
Basilikum und Mozzarella"). 

Dabei erhält man einen besonders ausführlichen amüsanten Blick in das Seelenleben des Saarländers, der den
weiblichen Teil seiner  Bevölkerung - wie  man  seit  Gerd Dudenhöffer  weiß - permanent  mit  "Es"  bezeichnet.
Auch anderes Vokabular von der Saar lernt man en passant, nicht  nur  den  eingangs  genannten  Komparativ, 
sondern auch die  bündige  Begrüßungsfloskel: "Un?".  Besonders  zum  Ende  läuft  der  Dampfplauderer  zur
Hochform auf: Kein heimatliches Idiom bleibt verschont.        

Schade nur, wie auch die Veranstalterin anmerkte,  dass  keiner  der  Center-Gastronomen  sich  geneigt  fühlte,
noch etwas Kulinarisches beizusteuern - aber  auch ohne  dies darf  man hoffen,  dass sich hier ein  alternativer
Veranstaltungsort  etablieren kann.  Der  nächste  Künstler  ist  schon  gebucht:  Roberto Capitoni   "Im  Auftrag
des Paten" am 1. Oktober. 
Fronkreisch, Fronkreisch: Detlef "Jacques" Schönauer parliert im Wiesbadener Lilien-Carrée.
Foto: RMB/Friedrich Windolf

 

 

Zurück zur Startseite "Kritiken und Presseberichte"